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Dieter Hacker

* 1942 in Augsburg, DE
Lebt und arbeitet in Berlin.

Dieter Hacker, Multipliziertes Objekt, 1966/67, Holz, Polystyrol, Lack, 40,5 x 66 x 40 cm.
Dieter Hacker, Multipliziertes Objekt, 1966/67, Holz, Polystyrol, Lack, 40,5 x 66 x 40 cm.
Dieter Hacker, Objekt, 1997, Holz, Lack, Plexiglas, 91,5 x 91,5 cm.
Dieter Hacker, Objekt, 1997, Holz, Lack, Plexiglas, 91,5 x 91,5 cm.
Dieter Hacker, Multipliziertes Objekt (türkis), 1968, Holz, Polystyrol, Lack, Ø 140.
Dieter Hacker, Multipliziertes Objekt (türkis), 1968, Holz, Polystyrol, Lack, Ø 140.
Ausstellungsansicht Galerie Michael Sturm
Ausstellungsansicht Galerie Michael Sturm
Ausstellungsansicht Galerie Michael Sturm
Ausstellungsansicht Galerie Michael Sturm
Ausstellungsansicht Galerie Michael Sturm
Ausstellungsansicht Galerie Michael Sturm
Ausstellungsansicht Galerie Michael Sturm
Ausstellungsansicht Galerie Michael Sturm

Eine frühe Fotografie, 1968 auf einem Ausstellungsplakat abgedruckt, zeigt das Porträt von Dieter Hacker mit Sonnenbrille. Auf den dunklen Brillengläsern sind in Versalien die Begriffe „Aesthetik“ und „Ideologie“ zu lesen. Von Beginn an bis heute spielen diese beiden Perspektiven eine zentrale Rolle im Werk des Künstlers – vor allem deren mutmaßliche Tendenz, sich gegenseitig zu korrumpieren.

Anfang der 1960er-Jahre unterzieht Dieter Hacker die radikalen Prämissen der konstruktiv-konkreten Kunst dem ästhetischen Urteil von 100 Testpersonen. Er realisiert konkrete und kinetische Arbeiten, die als „Spielobjekte“ oder „Essbilder“ bewusst partizipatorisch angelegt sind. In Berlin gründet Hacker 1971 seine eigene Produzentengalerie, deren Ausstellungsplakate nicht selten politische Widerhaken ins Fleisch des Kunstsystems treiben.

Dass sich Dieter Hacker in den fünfzig Jahren seines Schaffens stets geweigert hat, „einen ihn kennzeichnenden Stil zu kultivieren“ (Christos M. Joachimides), ist wesentlicher Bestandteil seiner künstlerischen Haltung. Die formal reduzierten Spielobjekte etwa passen nicht in die Schublade der konstruktiv-konkreten Kunst, weil ihre Komposition dem Betrachter überantwortet wird. In der Arbeit „Mausbild“ wiederum, die Hacker als Mitglied der Gruppe EFFEKT 1965 realisierte, bilden 15 weiße Mäuse eine Art kinetisches Objekt.

1978 häuft Dieter Hacker Fotoabzüge, die er auf Flohmärkten gesammelt hat, in die Ausstellungsräume des Kölnischen Kunstvereins und lässt diesen „Berg“ von den Besuchern „abtragen“. Die Arbeit, schreibt Walter Grasskamp rückblickend, sei darauf angelegt gewesen, „das Bedeutsame im Trivialen hervorzuheben, nämlich die alltagsprägende Rolle der Fotografie, ihren Schwebezustand zwischen Erinnern und Vergessen, zwischen Aufheben und Wegwerfen.“

Ohne große Pathos-Gesten sucht Dieter Hacker bis heute das „Bedeutsame“ in der Kunst und im Alltäglichen, um beide Sphären aus überkommenen Deutungshoheiten herauszulösen. Das Spielerische ist dabei genauso wichtig wie das scheinbare Triviale, das vermeintlich Einfache kann genauso bedeutsam sein wie das Elaborierte, das Nachdenken über etablierte Kunst genauso fruchtbar wie über die sogenannte Volkskunst.